Gartenstadt Falkenberg

Berlin

Gerade unter den Vorzeichen eines genossenschaftlichen Wohnungsbaus sind die Ziele der Gartenstadtbewegung auch heute noch –oder wieder– aktuell. Unser Entwurf für einen neuen Siedlungsteil unmittelbar neben Bruno Tauts Fragment gebliebener Siedlung Falkenberg erkennt die offensichtlichen Unterschiede an, sucht aber zugleich den engen Bezug zu Tauts Gedankenwelt. Bestehende Siedlung und die Erweiterungen unserer Zeit ergänzen einander zu einem neuen Ganzen, das vielleicht eher noch als das Tautsche Fragment die Bezeichnung ‚Gartenstadt’ verdient.

In diesem Gefüge gewinnt die Mitte der neu zu errichtenden Siedlung eine besondere Bedeutung. Ein eigentümlich romantisches Landschaftsbild prägt die Identität des neuen Quartiers: Auf einem kleinen Hügel steht eine dichte Gruppe märkischer Kiefern. Das Bild zitiert die besondere Lichte brandenburgischer Landschaften, wie sie auch Taut schon bewegt hatte. In seiner objekthaften Inszenierung steht dieses Landschaftsbild gleichsam als Zeichen für die neue Siedlung. Natürlich schwingt hier der nach wie vor aktuelle Gedanke des Gemeinschaftlichen der frühen Gartenstädte mit.

Wie schon die stadträumliche Figur der Ergänzung, so wird auch die bauliche Gestalt der einzelnen Häuser von einem ausgewogenen Spiel aus Eigenständigkeit und geistiger Verwandtschaft zur bestehenden Tautschen Siedlung bestimmt. Das Material der Fassaden, ein gelber, ins grünliche spielender Klinker, wie er aus dem Ton der umgebenden Gruben im Süden Brandenburgs gebrannt wird, bindet die neue Siedlung an den Ort. Der ‚märkische’ Charakter der Bauten ist dem Denken Tauts verpflichtet, ohne daß deshalb die einmalige, expressive Farbigkeit der benachbarten ‚Tuschkasten-Siedlung’ direkt zitiert werden müßte.

In seiner Eigenständigkeit, vor allem aber mit seinen präzise charakterisierten Freiräumen leistet das neue Quartier einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Gartenstadt Falkenberg. Dies durchaus im Sinne einer angemessenen Hierarchisierung: Selbst unter dem Zwange zu Kompromissen wird der Wunsch, auch in den einzelnen Stadtteil Relief hineinzubringen, die erste Stelle ein[s] nehmen müssen’[1]

[1] Bruno Taut: Die Stadtkrone, Jena 1919, Nachwort: Neuere Versuche zu Stadtbekrönungen

 

Auslober: Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft 1892 eG
Städtebaulicher und hochbaulicher Wettbewerb 2. Preis, nicht realisiert
mit G. Heidenreich
Neubau einer Siedlung mit gut 350 Wohneinheiten
Mitarbeit: M. Wasserkampf, T. Kublashvili
Freianlagen: Stefan Bernard Landschaftsarchitekten. Berlin