Wohnen am Hohen Ufer

Hannover

Das Hohe Ufer, namensgebender Gründungsort der Stadt Hannover lebt von der Spannung zwischen einer großmaßstäblichen, ehedem herrschaftlichen Bebauung und der Kleinteiligkeit der mittelalterlichen Altstadt. Auch wenn der historische Bestand im 2. Weltkrieg erheblich beschädigt wurde, ist diese Spannung noch heute spürbar. In diesem Kontext entstehen zur Zeit nach Plänen von Springer Architekten zwei Wohn- und Geschäftshäuser.

Wo die zwei klug gesetzten Baukörper aus dem engmaschigen Gefüge der Altstadt heraus eine vielschichtige Raumfolge vom Ballhofplatz über die Burgstraße, die Roßmühle und den neunen Stadtplatz hin zur lichten Weite der Leineauen inszenieren, dort antwortet deren äußere Gestalt schon auf die Nachbarschaft des ehemaligen Herzoglichen Zeughauses und des alten Marstalls.

Die großzügigen, präzise angeordneten Öffnungen stellen den Bezug zum Maßstab der historischen Bebauung auf dem Hohen Ufer her und relativieren doch zugleich auch die durchaus stattliche Größe der beiden neuen Häuser im so viel kleinmaßstäblicheren Kontext der Burgstraße. Die Häuser sind selbstverständlicher Teil der lebendigen Altstadt und treten zugleich auch mit einem angemessenen Gewicht ein in den Kontext der großen, ehemals herrschaftlichen Bauten auf dem Hohen Ufer.

Dieser ambivalente Bezug bestimmt auch die handwerkliche Ausführung der Fassaden. Mit einem sandgrauen, flächig verfugten Ziegelmauerwerk und mit den im selben Ton eingefärbten Betongesimsen behaupten sich die Häuser durchaus selbstbewußt in der Nachbarschaft des Historischen Museums (1964-67), einem Hauptwerk von Dieter Oesterlen, das wir durchaus als Referenz empfinden. Und doch reflektiert das etwas weniger ‚edle’ Material recht genau den offensichtlichen Bedeutungsunterschied.

Mit vergleichsweise einfachen architektonischen Mitteln gelingt zwischen der Enge der Altstadt und der Weite der Leineauen eine selbstverständliche Ergänzung des stadträumlichen Gefüges. Selbstbewußt im Auftritt und dennoch einfach und angemessen in der Form.

 

Bauherr: HELMA Wohnungsbau, Lehrte
Wettbewerb 1. Preis, in Bau
mit G. Heidenreich
Neubau von zwei Wohn- und Geschäftshäusern, Tiefgarage
Wettbewerb: Nguyen Thu Phuong
Mitarbeit: T. Richter, F. Käser, M. Fritz, M. Rohland
Bauüberwachung: Fa. Papenburg / Auftraggeber
Tragwerk: Statik Meier, Hannover